Ich kann Ihre Argumentation gut verstehen. Bei der Aufnahme von Patientinen, wird bei uns standartmäßig darauf hingewiesen, daß unser Pflegedienst über einige männlichen Mitarbeiter verfügt (Pfleger und Zivildienstleistende) und wenn der Wunsch geäußert wird von einer Pflegeperson des selben Geschlechts gepflegt zu werden, wird dieser Wunsch berücksichtigt. Wenn es um die Rufbereitschaft geht, ist es allerdings sehr umständlich, unsere ca. 200 Patienten und deren Angehörige zu informieren bzw. zu warnen, daß im Notfall ein Pfleger kommen würde. Dieser Wunsch nach geschlechtbezogener Pflege kommt übrigens häufig von den Angehörigen und nicht immer von der Patientin selbst. Ich kenne eine Frau, die ihre im Koma liegende Mutter pflegt. Diese Frau, die ich übrigens sehr schätze, will nicht daß der Blasenkatheter von Ihrer Mutter von einem Pfleger gewechselt wird. Ich bin überzeugt, daß dieses Verhalten mit der christlichen Moral zu tu hat. Die Ablehnung der Pflege von einem Pfleger ist in den meisten Fälle bei älteren Frauen und häufiger in katholischen Dörfer als bei jüngeren Frauen und in Ortschaften mit protestantischer Mehrheit festzustellen. Wir befinden uns nämlich in einem ländlichen Gebiet. Wie es diesbzüglich in einer größeren Städt aussieht, kann ich aus mangelnder Erfahrung nicht beurteilen. Ich habe jahrelang auf einer Intensivstation gearbeitet und dort wurde ich mit der Männerfeindlichkeit nie konfrontiert. Merkwürdig ist es dennoch, daß umgekehrt männliche Patienten mit der Pflege von einer Krankenschwester nicht die selbe Probleme haben...?